Woher kommt Stevia

Von Südamerika aus in die ganze Welt...

Ein kleiner Geschichtsexkurs in Sachen Stevia...

Stevia rebaudiana Bertoni, kurz Stevia genannt, ist eine in Südamerika beheimatete Pflanze. Sie wächst als Staude im Gebiet der Amambai-Bergkette im paraguayisch-brasilianischen Grenzgebiet. Die stark süßende Wirkung ist den Ureinwohnern seit Jahrhunderten bekannt. Die Guarani-Indianer nennen es ka'a he'ẽ (Süßkraut).

Steviablätter werden seit über 500 Jahren von der indigenen (Wiki-Erklärung) Bevölkerung Paraguays und Brasiliens bei der Zubereitung von Speisen, Getränken und als Heilpflanze verwendet. Der Bedeutung der Pflanze wurde mit einer Briefmarke Rechnung getragen, so ist auf der Paraguayische Briefmarke eine Pflanze und ein Steviafeld zu sehen.

Die Europäer lernten Stevia im 16. Jahrhundert kennen, als die Conquistadores darüber berichteten, dass die südamerikanische indigene Bevölkerung die Blätter einer Pflanze benutzten, um Kräutertee zu süßen. 1887 entdeckte Moises Giacomo Bertoni (englischer Wiki-Artikel), ein Schweizer Botaniker, die Pflanze und gab ihr 1905 den Namen Stevia rebaudiana Bertoni. Bertoni erkannte ebenfalls die süßende Wirkung

Zitat: Bertoni hatte schon 1901 geschrieben, dass ein paar kleine Blätter ausreichend sind, um eine Tasse starken Kaffees oder Tees zu süßen.

Stevia wird in Zentral- u. Südamerika, Israel, Thailand und China zur Süßstoffgewinnung angebaut und verwendet. Die Blätter werden als ganze Blätter verwendet, können aber auch getrocknet, zermahlen bzw. pulverisiert verwendet werden. Um 1950 trat Stevia auch seinen Siegeszug in Japan an und gewann schnell im ganzen südasiatischen Raum an Beliebtheit. Nur in der EU dauerte es bis 2011 bis die Zulassung erfolgte.

Uns weit voraus

Die Einwohner in Südamerika sind uns bei der Nutzung der Stevia-Pflanze um einige Jahrhunderte voraus. Dort wird diese nicht nur zum Süßen des Mate-Tees verwendet sondern schon lange gegen allerlei Leiden eingesetzt. Probleme des Blutdrucks (eine Studie hat erst vor kurzem belegt, dass Stevia eine positive Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System hat), Hautprobleme, für die Verbesserung der Verdauung und vieles mehr. Sogar heute noch gibt es in Paraguay und auch Brasilien zahlreiche Stevia-Produkte gegen eine Vielzahl von Leiden. Hier hat die Medizin noch einiges aufzuholen und zu entdecken.

Geschichte in Zahlen

  • 1887: Moises Giacomo Bertoni entdeckt die Pflanze
  • 1908: Bertoni beginnt die Pflanze in Europa zu verbreiten
  • 1920: Anbau von Stevia in Plantagen
  • 1931: physiologische Studien von Pomeret und Lavieille: Stevioside sind bei Kaninchen, Meerschweinchen und Hühnern nicht toxisch und werden nicht resorbiert
  • 1941: Erprobung in England als Zuckerersatzstoff aufgrund der Zuckerknappheit wegen der deutschen U-Boot-Blockade, wurde nicht weiter verfolgt
  • 1952: National Institute of Arthritis and Metabolic Diseases, Bestimmung der Hauptbestandteile des Naturstoffextraktes
  • 1954: Japan: Kultivierung in Gewächshäusern
  • 1961: In Paraguay beginnt man mit dem kommerziellen Anbau
  • 1969-1971: weitere Anbauexperimente in Japan
  • 1971: Stevia wird in China bekannt, in Japan industriell verwendet
  • 1970er Jahre: Zulassung von Stevia als Zuckerersatzstoff in Japan
  • 1981: 2000 Tonnen Verbrauch in Japan
  • 1982: P.J. Medon et al., Pharmacy College of the University of Chicago, Illinois, USA. Steviol ist mutagen (erbgutverändernd).
  • 1985: John Pezzutto et al.: Metabolically activated steviol, the aglycone of stevioside, is mutagenic
  • 2007: Coca-Cola reicht 24 Patente basierend auf Stevia als Süßstoff ein
  • August 2008: Provisorische Einzelbewilligungen für Steviolglycoside gemäß Art. 2 Abs. 1 der Verordnung über die in Lebensmitteln zulässigen Lebensmittelzusatzstoffe (ZuV; SR 817.022.31) in der Schweiz
  • Oktober 2008: Zulassung in Australien und Neuseeland
  • Dezember 2008: Zulassung in den USA des Bestandteiles Rebaudiosid-A in Süßungsmitteln als Lebensmittelergänzungsstoff durch die Food and Drug Administration
  • August 2009: Frankreich hat per Dekret eine vorläufige Zulassung für Süßstoffe aus Stevia rebaudiana ausgesprochen.
  • April 2010: Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat eine tägliche Aufnahmemenge von bis zu 4 mg Steviolglycosiden pro kg Körpergewicht als unbedenklich bewertet.
  • Dezember 2011: Zulassung in der gesamten EU