Ing. Franz Reisenberger im Gespräch

Wir haben zum Thema Stevia befragt.

SteviaGuide: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Stevia zu produzieren?

Reisenberger: Auf Stevia wurde ich das erste Mal im Jahr 2005 aufmerksam. Der Gatte der paraguayischen Botschafterin in Deutschland hatte mich gebeten, die Steviapflanze in der EU als Tierfuttermittel zu notifizieren. Wir haben diese Notifizierung durchgeführt und bei dieser Gelegenheit wurde uns die Innovation dieser Pflanze bewusst. So haben wir uns entschlossen der EUSTAS (European Stevia Association) beizutreten, um mehr über diese Pflanze zu erfahren. Die Eustas hat das Dossier für die Verwendung der Steviolglycoside erstellt. Wir haben dieses Dossier als offizieller Antragssteller mitunterschrieben.

SteviaGuide: Sie haben einmal davon gesprochen eine Produktionsanlage in Österreich eine Stevia-Anlage zu bauen, wie sieht es mit diesen Plänen aus?

Reisenberger: Geplant war eine Bio-Pilotanlage in Österreich zu erbauen. Gemeinsam mit der Universität für Bodenkultur wurde eine Technologie für die Herstellung von Steviolglycosiden in Bioqualität entwickelt.

Zurzeit zeichnet sich ab, dass sich auch die derzeitige Technologie zur Herstellung von SG den Biorichtlinien entsprechen würde. Aus diesem Grund ist es nicht sinnvoll in Europa diese Technologie, die ja teurer wäre, umzusetzen. Wir haben uns daher entschlossen, diesen Plan derzeit nicht weiter zu verfolgen.

SteviaGuide: Wie ist Ihr Resümee ein Jahr nach der Zulassung von Stevia?

Reisenberger: Nach erfolgter Registrierung war eine große Nachfrage nach Tafelsüßen auf der Grundlage von Steviolglycosiden. In Getränken, Joghurts und anderen Nahrungsmitteln wurden SG von der Industrie eingesetzt.

Durch Negativwerbung wurde das weitere Wachstumspotential etwas eingeschränkt. Wir sehen jedoch auch in nächster Zeit große Chancen für Produkte die SG enthalten.

SteviaGuide: Sind Sie mit der Entwicklung am Markt zufrieden?

Reisenberger: In Österreich sind wir mit dem Marktanteil zufrieden. Wir vertreiben derzeit die Produkte über unsere Tochterfirma in Tschechien und der Slowakei. Ebenfalls sind wir in der Schweiz vertreten. In Deutschland und anderen Ländern sind wir derzeit am Marktaufbau.

SteviaGuide: Wie viel produzieren Sie pro Jahr und wer sind Ihre Kunden?

Reisenberger: Unsere Kunden sind vor allem C&C-Märkte. Wir sind jedoch auch im Lebensmittel-Einzelhandel sowie diversen Reformhäusern, Drogerien, Bioläden und Apotheken vertreten.

Ein großes Interesse sehen wir von den Gewerbebetrieben. Wir entwickeln gemeinsam mit lebensmittelherstellenden Betrieben Getränke, Joghurts, Schokolade, Marmeladen, etc.

SteviaGuide: Wo sehen Sie Stevia in 10 Jahren?

Reisenberger: Der Ernährungsbericht 2012 hat gezeigt, dass sowohl der Anteil der Übergewichtigen Personen als auch die Zahl der Diabetiker ansteigt. Ebenso nimmt die Zahl der gesundheitsbewussten Personen zu. Die Ursache für die Problematik ist eindeutig der übermäßige Zuckerkonsum. Die WHO empfiehlt eine Zuckeraufnahme von 50 g/Tag und Person und der Durschnitts-Österreicher nimmt ca. das Doppelte an Zucker auf. Aus diesen Gründen sehen wir ein großes Wachstumspotential für qualitativ hochwertige Steviaprodukten.

SteviaGuide: Was würden Sie sich vom Gesetzgeber zum Thema Stevia wünschen?

Reisenberger: Ich wünsche mir eine Zulassung für die Steviolglycoside in Bioqualität. Ein Antrag ist bereits bei der EU eingegangen. Der Anbau und der Herstellungsprozess müssen natürlich der Biorichtlinie entsprechen.

Zucker stammt wie Stevia aus einer Pflanze und wird auch ähnlich gewonnen wie die Steviolglycoside. Zucker wird als Zutat deklariert. Wir möchten daher, dass auch die SG als Zutat eingestuft werden. Somit würden die E-Nummer und der ADI-Wert wegfallen.

SteviaGuide: Was ist Ihre Meinung zu den gezielten Negativ-Aktionen der Zuckerindustrie bzw. des VKI?

Reisenberger: Die Werbekampagne der Agrana war für viele nicht klar verständlich. Es handelte sich um eine Plakatwerbung. Ein Teil der Konsumenten vermuteten eine Werbung für die SG.

Der Beitrag vom VKI war sicherlich marktschädigend. Es wurde nicht auf die schädigende Wirkung des Zuckers eingegangen. Im Vordergrund stand die Auslobung der SG auf der Etikette. Viele kleinere Zeitungen übernahmen den Text der APA. Diese große negative Verbreitung hinterließ leider ihre Spuren. Es ist daher unsere Aufgabe, das positive Image welches sich die SG verdienen, zu verbessern.

Zur Person

Ing. Franz Reisenberger ist Geschäftsführender Gesellschafter der Firma Reisenberger GmbH und beschäftigt sich seit ca. 30 Jahren mit dem Vertrieb von Zusatzstoffen für den Human- und Tierbereich. Der Sitz der Firma ist in Perchtoldsdorf. Seit 15 Jahren gibt es Tochterfirmen in Tschechien und Slowakei. Den ersten Kontakt mit Stevia hatte das Unternehmen 2005 über die paraguayische Botschafterin aus Deutschland.

Die Firma beschäftigt sich mit der Entwicklung von innovativen, praxisorientierten Natusweet Stevia Produkten.

Nähere Infos finden Sie auf www.natusweet.at oder http://www.facebook.com/natusweetstevia